Wenn der Turm stehen bleibt

Zwischen Flow, Sturz und der Freude am Gelingen

Juni 2026

Motivation verläuft selten geradlinig. Sie entsteht aus Erfahrungen, Ermutigung, Widerständen und kleinen Momenten des Gelingens. Ein persönlicher Blick auf Lernlandschaften, Flow-Momente und jene Augenblicke, in denen Türme ihre Balance finden und als starke Erinnerung präsent bleiben.

Als Kind baute ich mit meinem Vater hohe Türme aus unbemalten Bauklötzen. Ganz oben stand jeweils ein ganz besonderes, schmales Klötzchen. Darauf war eine Glocke gezeichnet. Ich durfte sie ganz vorsichtig platzieren. Manchmal stürzte der Turm ein. Manchmal hielt er. Wenn die Glocke oben stehen blieb, war da für einen kurzen Moment etwas wie Stolz, Spannung und Konzentration zugleich.

Unsanfte Landungen

Eine andere Erinnerung: Ich fahre Trottinett. Plötzlich verliere ich das Gleichgewicht und stürze. Mein Knie blutet, die neuen bunt gemusterten Strumpfhosen sind zerrissen und die Tränen fliessen heftig. Meine Mutter desinfiziert die Wunde mit Merfen, klebt ein Pflaster auf das Knie – und verwandelt die Strumpfhosen später in Radlerhosen. Immer noch schön. Die Tränen sind versiegt. Und ich falle nie wieder mit dem Trottinett hin.

Lernen beginnt mit der Glocke zuoberst auf dem Turm

Lernen beginnt oft lange bevor wir Worte wie Motivation, Flow oder Lernstrategien kennen. Es beginnt mit Erfahrungen: mit Stolz, Unsicherheit, Wiederholung, Ermutigung, Scheitern, Konzentration oder dem Gefühl, etwas plötzlich zu können.

Lernwege zur Brücke – und zum Flow

Im Rahmen der Weiterbildung in Erwachsenenbildung SVEB an der Lernwerkstatt Olten habe ich Lernwege als Landschaft gezeichnet. Nicht als linearen Prozess, sondern als Weg mit Kurven und Spiralen bis hin zur Hauptstrasse. Die Motivation ist die Brücke, weil sie immer wieder zu weiteren Lernwegen führt. Die Hauptstrasse steht für die gewohnheitsmässige Motivation, spontane Geistesblitze mobilisieren die aktuale Motivation. Die Siegerin auf dem Treppchen verkörpert die extrinsische Motivation, wer mit der Lupe Blumen untersucht, handelt aus intrinsischer Motivation. Über der Szene kreist ein Milan. Ohne Flügelschlag nimmt er die ganze Landschaft auf einmal wahr und erspäht unvorsichtige Mäuse. Für mich wurde er zum Bild für jene Flow-Momente, in denen das System als Ganzes sichtbar wird und alles zusammenpasst..

Entdecker:in oder Denker:in?

Orientierungslosigkeit und Neugier erscheinen als Regen- oder Kumuluswolken. Auch die verschiedenen Lerntypen können erspäht werden: die Entdeckerinnen mit Lupen, Karten oder Kompass, der Denker am Wegrand, der Entscheider, der den Verkehr regelt – auch wenn das Auto auf der falschen Strassenseite fährt. Und die Macher:innen, die hohe Türme bauen.

Motivation und Unterstützung

Motivation reicht ins Kindesalter zurück. Und meldet sich mit dem Gefühl, dass man Dinge verändern und Türme errichten kann. Menschen motivieren sich zu einem grossen Teil selbst. Aber Lernräume, Erfahrungen, Beziehungen, Ermutigung und Hilfestellungen können bewirken, dass die ersten Meter mit dem neuen Fahrrad gelingen.

©Claudia Appenzeller, auf der Basis der Unterlagen zum SVEB der Lernwerkstatt Olten, Lektorat ChatGPT
Stand: Juni 2026. 
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